Reisezeit
An manchen Geschäften und in manch einer Praxis steht ein Schild mit dem Hinweis: Wir machen Urlaub. Verreisen, einreisen, ausreisen, umreisen – endlich wieder Urlaubszeit! Zeit, die alltäglichen Gewohnheiten umzureißen und vor den Pflichten einmal auszureißen. Ferienzeit kommt aus dem Lateinischen: Feriari – frei sein von Arbeit, und in dem Wort Urlaub steckt das Wort Erlaubnis. Wir gönnen uns Dinge, die wir uns im ganz normalen Alltag – Schule, Arbeit – nicht gönnen. Aber Urlaub zu machen kann auch sehr problembehaftet sein. Der Eine möchte mehr entspannen, der Andere will viel Spannendes erleben; es ist nicht immer einfach, „alles unter einen Hut zu bringen“, die Balance dazwischen zu finden.
Vielleicht ist es gut, wenn man zwischen den Reiseplänen Pausen hat, in denen man nichts planen muss. Sondern Zeit hat, das Zwitschern der Vögel, das Rauschen eines Baches oder die Fröhlichkeit des Partners und der Kinder wahrzunehmen. Auch für die, die im Ort bleiben und keine Reise unternehmen, ist es wichtig, das Be- sondere an der Ferienzeit zu spüren. Nehmen Sie sich die Freiheit, das zu machen, was Ihnen gerade einfällt, z. B. Freunde besuchen, bummeln gehen, ein Buch lesen, eine Radtour unternehmen, etwas zu nähen und anderes mehr…
Gott können wir immer mit auf Reisen nehmen. Dafür brauchen wir keine größere Tasche, nur ein weites Herz. Er wird bei uns sein und vielleicht können wir uns auch gegenseitig „erspüren“ in erstaunlichen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen im In- und Ausland, bei Beobachtungen einer faszinierenden Natur oder den sogenannten Zufällen, die uns Wege ebnen. Ich habe im „Netz“ eine kleine Reiseandacht gefunden. Vielleicht finden wir Muße, sie an einem schönen, ruhigen Ort für uns einzubauen, um bewusst innezuhalten vom Alltag und Gott an unserem Leben teilhaben zu lassen.
„Guter Gott, ich bin unterwegs, ich lasse die Aufgaben und Sorgen der letzten Woche hinter mir. Ich atme tief durch und danke dir für die freie Zeit.“
Gebet:
Manchmal muss ich mich suchen gehen,
damit ich nicht ersticke im Berg der Arbeit.
Manchmal muss ich mich suchen gehen,
damit ich mich nicht verliere
im Irrgarten der Gedanken.
Manchmal muss ich mich suchen gehen,
damit ich wieder glauben kann
in den Zweifeln meiner Nächte.
Manchmal muss ich mich suchen gehen,
damit ich mich wieder öffne
für die Welt, für den Anderen, für Gott,
Manchmal muss ich mich suchen gehen,
damit ich wieder ich selbst bin
und nicht nur ein Schatten.
Hilf mir beim Suchen, segne
und behüte mich.
Herr, lasse dein Angesicht leuchten
über mir
und sei mir gnädig.
Herr, hebe dein Angesicht über mich
und gebe mir Frieden.
Amen
Ich wünsche Ihnen eine behütete und gesegnete Reise- und Ferienzeit.
Ihre Annegret Scherzer