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>> Aktuelle Andacht August & September 2017

Herzlich willkommen

Chistiane_Schmidt_2017_1aUnsere Kirchengemeinde lebt in einer Stadt und in Gebäuden, die bis auf den heutigen Tag sehr von der Zeit der Reformation geprägt sind. Wir sind zu Hause in zwei Kirchen: der Stadtkirche St.Marien, die mit dem höchsten Turm von Torgau weit ins Land grüßt und seinerzeit als Hofkirche fungierte. In ihr wurden prunkvolle Hochzeiten gefeiert und wichtige Persönlichkeiten begraben, so die geliebte Gemahlin Johanns des Beständigen Herzogin Sophie von Mecklenburg. Zu ihrem Gedenken ließ der Kurfürst Lucas Cranach d.Ä. ein Altarbild mit den "14 Nothelfern" malen. Auch Katharina Luther geb. von Bora liegt in der Stadtkirche begraben. Die andere Kirche ist die berühmtere: die von Martin Luther am 5.10.1544 höchstpersönlich in Dienst genommene Schlosskapelle auf Schloss Hartenfels, der erste protestantische Kirchenneubau überhaupt. Im Gebäude der "Alten Superintendentur" in der Wintergrüne 2, die 1529 als erste ihrer Art eingerichtet wurde und in der 1530 die "Torgauer Artikel" von Luther, Melanchthon, Jonas und Bugenhagen in Vorbereitung des Reichstages in Augsburg verfasst wurden, befinden sich heute unsere Gemeinderäume.

Unsere Gemeinde gehört mit ihren ca.1850 Mitgliedern zum Kirchenkreis Torgau-Delitzsch, dem einzigen Kirchenkreis der EKM (Evangelische Kirche Mitteldeutschlands) auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen.

Wir sind eine traditionelle Gemeinde mit Kinder-, Konfirmanden-, Jugend-, Erwachsenen und Seniorenkreisen. Einen besonders hohen Stellenwert hat bei uns die Kirchenmusik. Unser Kantor ist der 25. Nachfolger des "evangelischen Urkantors" Johann Walter, der 1526 in Torgau mit sangesfreudigen Bürgern eine Stadtkantorei gründete, die zum Vorbild des evangelischen Kantoreiwesens werden sollte. Noch heute singen (nicht nur) Torgauer in der Johann-Walter-Kantorei, im Küken- und im Kinderchor und helfen mit, die Tradition zu bewahren und lebendig zu halten. Dazu trägt auch das jährlich neu aufgelegte umfangreiche Konzertprogramm in unseren Kirchen bei.

Von Kurfürst Johann Friedrich, dem zeitlebens großen Unterstützer der Reformation, hat unsere Gemeinde das Leitmotiv übernommen: "Verbum Domini Manet In AEternum (VDMIAE) - Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit." (nach Jesaja 40,8)

Wir freuen uns über Ihr Interesse und bieten Ihnen auf dieser hompage weitere Informationen an. Natürlich würden wir uns auch über eine persönliche Begegnung freuen - wir laden Sie herzlich dazu ein!

Pfarrerin Christiane Schmidt


Andacht August & September 2017

Liebe Leserinnen und Leser!
Anfang Juli geschah etwas Aufregendes in der Schlosskirche Torgau: ein lange abwesendes Ausstattungsstück kam zurück. Nur noch wenige alteingesessene Torgauer können heute noch aus eigener Erinnerung von der Einrichtung der Schlosskirche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berichten. Bis 1943 stand dort auf dem von Engeln getragenen Altar sch der sogenannte „Dresdener Altar“. Der Altaraufsatz streckte sich mit seinen Aufbauten bis über die Brüstung der Empore hinaus. 1662 wurde er von der Dresdener Hofkapelle nach Torgau verbracht. Das Bildwerk des Altars zeigte die ganze Heilsgeschichte, angefangen von Adam und Eva im Paradies über die Geburt und Kreuzigung Jesu bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurden die wertvollen Kunstschätze aus der Kirche entnommen und in den Kelleretagen des Schlosses eingelagert, um sie vor möglichen Kriegsschäden zu bewahren. Genau dort aber wurden sie schwer beschädigt, als irgendwann kurz nach Kriegsende ein Schwelbrand ausbrach, der natürlich mit Wasser gelöscht wurde. So nahm die Katastrophe für den Altar ihren Lauf, denn die Kombination von Hitze und Wasser erwies sich besonders für die fein geschnitzten Alabasterteile (Alabaster ist eine Gipsverbindung) als hochgradig zerstörerisch. Die Trümmerteile wurden in den 1950er Jahren vom Landesamt für Denkmalpflege in Dresden in Obhut genommen und abtransportiert – so kaputt konnte hier in Torgau niemand damit etwas anfangen.

Nach langem „Dornröschenschlaf“ und mehreren märchenhaften Wendungen konnten in den vergangenen Jahren die an mehreren Orten verstreuten Einzelteile wieder zusammengeführt werden. Dank großzügiger Fördermittel wurden in den vergangenen Monaten im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen unter Leitung von Dr. Arndt Kiesewetter umfangreiche restauratorische Arbeiten durch das Restauratorenehepaar Zehrfeld durchgeführt: es wurden die aufgeplatzten Oberflächen gefestigt und geglättet, fehlende Teile vorsichtig teilweise ergänzt, verzogene Teile so angepasst, dass sie wieder zusammengefügt werden konnten und schließlich totale Fehlstellen mit zartem Pinselstrich ergänzt, damit das Bildwerk vollumfänglich verständlich wird. Um eine Neuaufstellung überhaupt realisieren zu können, erdachte André Zehrfeld eine komplizierte Konstruktion aus Stahl und Zedernholz, die dem Kunstwerk aus Sandstein und Alabaster dauerhaften Halt gibt. Allerdings wird der Altaraufsatz nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion auf dem Altar stehen, sondern er erhielt einen eigenen Sockel an der Wand zur Sakristei.

Wer sich in der Schlosskirche zu Hause fühlt und dort ein und aus geht, kann sich vielleicht schwer vorstellen, wie dieser in schlichter Schönheit strahlende Raum so eine tiefgehende Veränderung verkraftet. Ich gebe zu, dass ich das anfangs auch sehr kritisch sah. Aber spätestens, seit ich die Zartheit der geschnitzten Figuren und das so reiche, verkündigungsschwere Bildprogramm sah (anfangs noch in unrestauriertem Zustand – trotzdem absolut überzeugend!), war mir klar, dass dieser Altaraufsatz eine wunderbare Bereicherung für unsere Schlosskirche ist. Sie können sich nun selbst davon überzeugen!

Viele Geschichten sind zu erzählen von und über diesen Altar, zuerst natürlich über die meisterhaft dargestellten biblischen Erzählungen und ihre Bedeutung für uns und unser Heil, aber auch über die wechselvolle Historie und über die spannende Wiederentdeckungs- und Restaurierungsgeschichte des Kunstwerks. All dies soll zur Sprache kommen in Vorträgen der involvierten Denkmalpfleger bzw. Restauratoren in einer Festveranstaltung am Freitag, dem 25. August 2017 um 18:30 Uhr in der Schlosskirche. Dazu lade ich Sie sehr herzlich ein!

Wer aber nicht bis dahin warten will, kann gerne der Schlosskirche einen Besuch abstatten und sich den neuen, alten Altar ansehen – geöffnet ist die Schlosskirche von dienstags bis sonntags, 10–18 Uhr! Ihnen allen einen segensreichen, unbeschwerten Sommer!

Ihre Pfarrerin Christiane Schmidt